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Standardsoftware vs. Individualsoftware

Selbst entwickeln oder ab Stange kaufen – ist diese Frage noch berechtigt?

Egal, wie ausgefallen Kundenwünsche und -visionen sind: Heutzutage kann Software so entwickelt und eingesetzt werden, dass sie überall passt. Lösungen gibt es viele. Es bleibt aber die Frage: «Soll es eine individuell entwickelte Software sein oder passt eine Standardlösung auf die Geschäftsprozesse des Unternehmens?» Diese Frage leite sich aus der Strategie ab, sagt bbv-Experte Michael Maurer und erklärt die Vor- und Nachteile beider Möglichkeiten.

02.09.2022Text: bbv0 Kommentare
Individualsoftware
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Die Universalantwort darauf, ob ein Unternehmen auf Individual- oder auf Standard-Software setzen soll, gibt es nicht. Grundsätzlich ist die Entscheidung ein Abwägen je nach Situation, sagt Michael Maurer, Senior IT Consultant & Solution Architect bei bbv. Egal ob sich ein Unternehmen für Standard- oder Individualsoftware entscheidet oder gar beides miteinander kombiniert: «Eine Daseinsberechtigung haben sowohl die Individuallösungen als auch die Standardsoftwares.»

Massgebend ist die geschäfts- und branchenspezifische Evaluation. Auf welche Lösungsstrategie ein Unternehmen setzt, sollte daher von den IT-Verantwortlichen und der Geschäftsleitung gemeinsam entschieden werden. bbv berät Unternehmen und hilft ihnen, mit einer ganzheitlichen Betrachtung der Anforderungen die passende Strategie zu finden, um ein möglichst gutes Ergebnis zu erzielen. Diese Unterstützung erstreckt sich über alle Phasen: vom Generieren von Ideen über die Entwicklung von Prototypen, der Durchführung eines Proof of Concept bis hin zur Umsetzung.

Die Differenzierungsstrategie stellt die Weichen

Wichtig ist, dass man sich darüber klar wird, was die Ansprüche an die finale Lösung sind, so Maurer: «Zuallererst sollte man folgende Fragen beantworten: Wo will sich das Unternehmen im Markt differenzieren? In welchen Bereichen lohnt es sich, Mittel für eine Individuallösung zu investieren, um einen USP für sein eigenes Unternehmen auszubilden? In welchen Bereichen will man effizienter werden?». Grundsätzlich gilt: dort, wo eine Differenzierung im Markt wichtig sei, dort sollte man auch eher in eine Individuallösung investieren. «Vielleicht erreicht das Unternehmen nur mit einer individuellen Lösung die gewünschte Effizienz oder jene User Experience, die es seinen Kunden anbieten will. Vielleicht lässt sich ein Produkt nur mittels einer massgeschneiderten Software produzieren. Andererseits gibt es vielleicht für die Produktion eines Unternehmens bereits eine Softwarelösung, die optimal zu den bestehenden Geschäftsprozessen passt», sagt Michael Maurer. Und manchmal reiche es auch aus, wenn eine Software im Einsatz steht, die nicht hundertprozentig auf die Geschäftsprozesse angepasst ist.

Sowohl Standardlösungen als auch selbst entwickelte Lösungen haben ihr Vor- und Nachteile. Zur Einordnung erläutert Michael Maurer einige Faustregeln, die bei der Evaluation helfen können:

Standardsoftware:

+ oftmals schnell einsetzbar. Time-to-Market kann oft verkürzt werden.

+ Standardsoftware basiert meist auf Best-Practice-Szenarien. So können Erfolgsmodelle oder bewährte Szenarien und Methoden direkt übernommen werden.

+ Ideal für Unternehmensbereiche, die nicht zum Kerngeschäft gehören und die in der Differenzierung am Markt nicht wichtig ist (z. B. HR, Logistik, Archivierung etc.).

+ Standardsoftware kann mittels Customizing an eigene Bedürfnisse angepasst werden.

– Evtl. hohe Folgekosten (z. B. für Anpassung ans Ökosystem, zwingende Upgrades, Lizenzen, Support etc.).

– Risiko für langfristige Bindung an Hersteller (Vendor Lock-in).

– Entsprechen den generellen Marktansprüchen. Individualität bleibt evtl. auf der Strecke, Unternehmen sind in der Nutzung eingeschränkt.

– Die Integration bzw. das Zusammenspiel mit Umsystemen ist nicht immer gewährleistet.

Individualsoftware:

+ lässt sich optimal an gewünschte Funktionalität/Bedürfnisse anpassen

+ USP und wichtige Geschäftsprozesse können in der Software optimal abgebildet werden

+ kann flexibler und schneller auf veränderte Marktbedürfnisse angepasst werden

+ Man bezahlt nicht für Software-Teile, die man eigentlich gar nicht braucht

– teilweise höhere Anfangskosten

– Unterschiedliche Entwicklungszeiten

– teilweise erfindet man das Rad neu, in dem man Dinge entwickeln muss, welche in einer Standard-Software schon vorhanden sind

– Benutzer müssen sich an eine «neue» Software gewöhnen

Es ist kein entweder oder, auch Kombinationen sind möglich

Ist die Wahl auf eine Individuallösung oder eine Standardlösung gefallen, stehen aber noch immer viele Türen offen. «Hat man die Wahl einmal gefällt, kann kombiniert werden. Eine Individuallösung lässt sich mit Standardkomponenten oder Standardschnittstellen erweitern und umgekehrt können viele Standardlösungen relativ nah an eigene Bedürfnisse angepasst werden.» Das Spektrum reicht also von einer kompletten Eigenentwicklung bis zur Nutzung einer Standardlösung ohne Anpassung. Dazwischen ist laut Michael Maurer praktisch alles möglich.

Eine Kombination kann etwa darin liegen, dass eine Individualsoftware mit fixfertigen Tools, Add-ons oder Open-Source-Komponenten erweitert wird. Zudem sind in gewisser Weise auch vorgefertigte Bestandteile wie Bibliotheken oder Frameworks als Standards zu bezeichnen. Das Kombinieren erweise sich in vielen Fällen als gute Strategie, sagt Michael Maurer: «Mittels standardisierter Schnittstellen wie APIs können Individuallösungen gut in eine bestehende Systemlandschaft eingebunden werden; gleichzeitig lassen sich viele Standardlösungen so customizen, dass sie gut an die eigenen Geschäftsprozesse angepasst sind.»

Der Experte

Michael Maurer

Michael Maurer ist (Senior) Consultant und Solution Architect bei bbv im Bereich Finanzdienstleister & Transport. Seine Schwerpunkte liegen in der digitalen Transformation, im Innovationsmanagement sowie in der Konzeption von (Cloud-)Softwarelösungen. Durch seine langjährige Erfahrung im KMU-Umfeld versteht er deren Herausforderungen und kann zielgerichtete Lösungs- und Umsetzungsmöglichkeiten aufzeigen. Er ist der Überzeugung, dass die Digitalisierung eine grosse Chance für alle Unternehmen bietet.

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