XaaS als neues Paradigma

Anything-as-a-Service: Nutzen statt besitzen

Statt Produkte zu kaufen, beziehen Kunden immer häufiger entsprechende Services – etwa als Software, Maschinenstunden oder IT-Infrastrukturen. Unternehmen müssen auf diesen Wandel reagieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

16.07.2025Text: Xavier Ruchti0 Kommentare
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Es begann mit SaaS (Software-as-a-Service) – also der Möglichkeit, eine Software zu nutzen, ohne sie zu kaufen. Nach und nach wurde dieses Modell auf andere Dienstleistungen ausgeweitet. Inzwischen werden immer mehr Produkte und Maschinen durch Services ersetzt – ein Phänomen, das mit der Bezeichnung Anything-as-a-Service (XaaS) beschrieben wird. Treiber dieser Entwicklung ist die Digitalisierung mit Technologien wie IoT und Cloud Computing, welche es ermöglichen, eine enge und interaktive Beziehung zwischen Kunde und Anbieter kosteneffizient zu skalieren. Gleichzeitig entstehen auch veränderte Kundenerwartungen und das Bedürfnis nach mehr Flexibilität.

Besitzen Sie noch oder nutzen Sie schon?

Der Paradigmenwechsel zur Dienstleistungsorientierung bietet Unternehmen neue Chancen. So können sie Investitionskosten durch nutzungsbasierte Abrechnung senken und stets aktuelle und gewartete Produkte nutzen. Es fallen auch keine Wartungskosten und Unterhaltsarbeiten an, die man im Auge behalten muss, und die Nutzung eines geregelten Dienstleistungsangebots bedeutet für einen Nutzer oft eine markante Reduktion an Risiken, welche ansonsten mitigiert werden müssen.

Andererseits eröffnen sich für Anbieter neue Wege zur Monetarisierung durch abonnementbasierte Einnahmen und datengestützte Zusatzleistungen. «Unternehmen steigern damit nicht nur die längerfristige Kundenbindung mit Recurring Revenues, sondern können mit dynamischer Anpassung an die Kundenbedürfnisse stets eine hohe Qualität der Prozesse, der Produkte und deren Verfügbarkeit anbieten. Zudem kann in einigen Fällen auch die Qualität monetarisiert werden», sagt Martin Egloff, Head of Business Area MedTech & Healthcare bei bbv. Beispiele dafür kennt er viele: Statt Bauwerkzeuge zu verkaufen, bietet ein Unternehmen Werkzeuge für die Zeit der Nutzung an, inklusive Wartung und Austausch. Beim Smart Metering etwa werden Stromzählerdaten als Service bereitgestellt, wodurch der manuelle Aufwand entfällt. Und im Maschinenbau bietet ein Hersteller nicht nur seine Anlagen an, sondern ergänzt diese mit Überwachungs- und Kalibrierungsservices, um die Produktivität beim Kunden zu erhöhen.

«Die Möglichkeit, mit Services neue Geschäftsfelder zu schaffen, wirkt sich positiv auf die Zukunftssicherheit eines Unternehmens aus.»

Martin Egloff,  Head of Business Area bei bbv

Die Herausforderungen von XaaS

Die Einführung von XaaS stellt Unternehmen vor Veränderungen. Geschäftsfelder müssen neu gedacht oder transformiert werden. Die Integration von IoT-Systemen, Cloud-Plattformen und robusten Dateninfrastrukturen sind unerlässlich, was Aufwand und Kosten verursacht. Ebenso erfordert der Wechsel von einem produktzentrierten Geschäftsmodell zu einer dienstleistungsorientierten Strategie einen kulturellen Wandel innerhalb des Unternehmens. «Die Unternehmensleitung sieht sich oft mit einer anspruchsvollen Transformation konfrontiert, bei der verschiedenste Abteilungen sich neu orientieren müssen, um gemeinsam ihren Fokus von Produkten auf ganzheitliche Kundenerlebnisse zu erweitern. Dabei stehen nicht nur Entwicklungsabteilungen im Zentrum, sondern etwa auch Vertriebsteams, die lernen müssen, Dienstleistungen anstelle von Produkten zu verkaufen», sagt Jonas Ruesch, Senior Consultant im Bereich Industrie bei bbv. Zudem müssen sensible Kundendaten geschützt und regulatorische Anforderungen eingehalten werden, um das Vertrauen der Kunden zu sichern.

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Ein Modell für die Zukunft

Trotz dieser Herausforderungen bietet XaaS enorme Vorteile für unterschiedlichste Unternehmen, da sind sich Martin Egloff und Jonas Ruesch einig. Anything-as-a-Service sei kein Trend, sondern ein neues Paradigma in einer zunehmend digitalisierten Welt, die in der Wirtschaft zur Norm werden könnte. Unternehmen, die diesen Wandel frühzeitig annehmen und mitgestalten, sichern sich langfristige Wettbewerbsvorteile. Sie profitieren nicht nur von effizienteren Prozessen und neuen Geschäftschancen, sondern positionieren sich auch als zukunftssichere Anbieter. bbv steht als vertrauenswürdige Partnerin mit entsprechender Erfahrung bereit, um Unternehmen in die digitale Zukunft zu begleiten und die Potenziale von XaaS auszuschöpfen – von der Beratung über die Implementierung bis zum Prototyping und Testing. Gemäss der beiden bbv-Experten geht es meist darum, die technischen und organisatorischen Grundlagen für ein serviceorientiertes Geschäftsfeld zu schaffen, datengetriebene Prozesse und Produkte zu fördern und die Automatisierung voranzutreiben. «Die Möglichkeit, mit Services neue Geschäftsfelder zu schaffen und kundenindividuelle Lösungen anzubieten, wirkt sich positiv und stabilisierend auf die Zukunftssicherheit eines Unternehmens aus», sagt Martin Egloff.

Der Artikel «X-as-a-Service: Nutzen statt besitzen» und weitere inspirierende Artikel zu 30 Jahre Geschichte, Highlights sowie zur Zukunft der bbv finden Sie im bbv-Jubiläumsmagazin. Das Heft ist in digitaler Form auf Deutsch und Englisch verfügbar.

Der Experte

Martin Egloff

Martin Egloff ist Head of Business Area MedTech und Healthcare. Er kennt die speziellen Entwicklungsprozesse im medizinischen Umfeld und verfügt über langjährige Erfahrung in interdisziplinären Entwicklungs- und Beratungsprojekten in den Bereichen Software, Hardware, Maschinenbau und Consulting.

Der Experte

Jonas Ruesch

Jonas Ruesch ist Senior Consultant im Bereich Industrie. Er hat langjährige praktische Erfahrung in den Bereichen digitale Transformation, datengetriebene Innovation und Team Coaching. Mit einem breiten Hintergrund aus der Entwicklung von Softwarelösungen und digitalen Services unterstützt er Unternehmen bei Innovations-, Entwicklungs- und Betriebsprozessen.

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