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Technica Radar 2023

Technica Radar: Das sind die wichtigsten IT-Trends für Schweizer KMU 2023

Auf welche IT-Technologien und Trends sollen Schweizer KMU setzen? Und welche Tools gehören überprüft? Eine Antwort darauf gibt der Technica Radar von bbv. Er visualisiert die Trends für IT-Entscheider und Software-Entwickler speziell für die Schweiz.

08.12.2022Text: tnt-graphics0 Kommentare
Technica Radar Vol. 3
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Für IT-Entscheider und Entwickler ist es in der schnelllebigen IT-Welt kaum mehr möglich, den Überblick über alle relevanten oder neuen Technologien und Trends zu behalten. Deshalb bilden internationale Marktforschungs- und Beratungsunternehmen wie Gartner oder Thoughtworks mit Trendbarometern die globalen Tech-Entwicklungen ab.

«Diese globalen Trendbarometer sind für Schweizer KMU allerdings nicht immer gleich relevant. Um dem Schweizer Markt gerecht zu werden, haben wir den Technica Radar entwickelt», erklärt Marco Ravicini. Er, Axel Hohnberg und Patrick Labud sind Mitglieder des CTO-Boards von bbv Software Services und für die Entwicklung und Erstellung des bbv Technica Radars verantwortlich.

Der Technica Radar trägt die neusten Entwicklungen in der IT zusammen, spiegelt Experten-Meinungen und bildet Studien und Empfehlungen von Marktforschungsunternehmen oder des Bundes ab. Sein klarer Fokus auf den Schweizer Markt und die Bedürfnisse der KMU heben den Technica Radar von anderen, internationalen Trendbarometern ab.

Das macht den Technica Radar zu einem pragmatischen Instrument für IT-Entscheider und Softwareentwickler in der Schweiz. Die gesammelten und aufbereiteten Informationen sollen bei der Entscheidungsfindung helfen und in KMU als Diskussionsgrundlage dienen.

Der Technica Radar 2023 ist nach 2021 und 2022 bereits die dritte Ausgabe des praktischen Instruments.

Evolution statt Revolution: Kein Gamechanger in Sicht

Der Technica Radar ist mehr als eine Sammlung von Tech-Informationen. Er listet Trends nicht nur auf, sondern ordnet sie ein und liefert Erklärungen, welche Entwicklungen Unternehmen weshalb im Auge behalten sollten.

«Der Technica Radar orientiert über aktuelle Entwicklungen, hilft aber auch als vielseitiges Instrument bei Entscheidungen. Egal, ob man eine bestimmte Technologie, ein Framework oder eine Programmiermethode einordnen will, oder ob man ganz einfach wissen möchte, welche Technologien heute und in naher Zukunft eine wichtige Rolle spielen», erklärt Patrick Labud.

Technica Radar Vol. 3
Der Technica Radar visualisiert die wichtigsten IT- und Entwickler-Trends speziell für die Schweiz. (Klicken, um den Radar zu vergrössern.)

 

Patrick Labud und Marco Ravicini sehen derzeit keine Disruption, die im Raum steht. «Momentan ist die gesamte Entwicklung eher evolutionär, eine Tech-Revolution, bei der absolute Game Changer auftreten, ist nicht auszumachen», sagt Marco Ravicini.

Immer wichtiger werden Cloud-spezifische Ansätze wie Edge Computing oder Infrastructure as Code (IaC), aber auch das systemische Denken, das sich in Methoden wie System Thinking oder in der Wertstromanalyse niederschlägt. Das Thema Metaverse verfolgt das CTO-Board von bbv mit Neugier, erachtet es für den aktuellen Radar aber noch nicht als relevant.

Diese IT-Themen trenden 2023

Evolution statt Revolution: Das gilt für die meisten Themen, die der Technica Radar von bbv aufgespürt hat. So kommt um Security Engineering und Edge Computing aktuell auch in der Schweiz niemand herum. Doch wie steht es mit Ethical OS und dem Programmieren mithilfe von KI? bbv präsentiert die Up-Trends des Technica Radar 2023.

Edge Computing ist wegen der Verbindung mit IoT und Cloud Computing weiterhin im Aufwind. «Hier zeigt sich die typische IT-Evolution: Grosse Themen generieren und bedingen wiederum neue grosse Themen», sagt Patrick Labud. Zudem werde Edge im Zusammenhang mit KI und Data Science zunehmend wichtiger.

 

Weil Edge-Komponenten neuralgische Punkte sind, eignen sie sich in komplexen Systemen dazu, um Datenvolumen zu optimieren oder den Datenschutz einzuhalten. «Beispielsweise haben wir für klinische Algorithmen eine Edge-Datenschutzlösung entwickelt, mit der bei Gen-Analysen lediglich die Resultate weitergeleitet werden, nicht aber die Gen-Indikatoren», sagt Labud.

 

Dank dieses Filters am Rande des Netzwerks können auf Empfängerseite keine sensiblen oder schützenswerte Informationen rekonstruiert werden.

Durch die API-First-Ansätze der Public Clouds kann das Erstellen und Verändern von Infrastruktur automatisiert werden. Beim Infrastructure-as-Code-Ansatz wird die komplette Infrastruktur als Code modelliert und dann durch Tooling erstellt. Auf diese Weise können neue Infrastrukturen erstellt oder bestehende im Rahmen eines Continuous Deployments aktualisiert und an neue Anforderungen angepasst werden.

 

IaC erlaubt es, die tendenziell komplizierter werdende Infrastruktur stets im Griff zu haben. Es befähigt Teams, ihre Public-Cloud-Infrastruktur schneller und mit geringerem Risiko zu deployen. IaC erfordert einen gewissen Aufwand, der sich jedoch bereits bei der Anwendung in mehreren Umgebungen wie Development, Testing und Production bezahlt machen kann.

 

Ausblickend widmet sich der aufkommende Trend Distributed Cloud unter anderem den Herausforderungen der Wartung von verteilten, komplizierteren Infrastrukturen.

Cyberbedrohungen werden komplexer und erfordern neue Schutzmassnahmen. «Mit dem Motto ‹Kommt schon gut, machen wir mal so› kommt man heute nicht mehr weit», sagt Patrick Labud. Mit Security Engineering legt man die Sicherheit bereits beim Programmieren von Software fest.

 

So besagt der Grundsatz «Security by Design», dass Sicherheit als ein Qualitätsattribut von Software betrachtet werden soll. Patrick Labud ist überzeugt, dass Security Engineering ein Investment ist, das sich lohnt: «Präventiv auf sichere Systeme zu achten, ist günstiger, als im Nachhinein Lücken zu stopfen oder gar die Schäden eines Hackerangriffs zu beheben.»

 

Konkret bedeutet Security Engineering, dass die Security im kompletten Software-Engineering-Zyklus berücksichtigt wird. Beispielsweise mittels Threat Modelling oder dem Ansatz «Zero Trust», mit dem Benutzern nur so viel Rechte zugewiesen werden, wie sie wirklich benötigen.

 

Security Engineering bedeutet auch, dass geschäftskritische Daten besonders geschützt werden oder dass man sich in einem System nicht auf eine einzige Firewall verlässt, sondern dahinter verschiedene Zonen oder Teilnetzwerke erstellt.

Mit System Thinking werden Unternehmen, digitale Umgebungen oder die Softwareentwicklung als System betrachtet – und vermehrt auch als soziotechnische Systeme bezeichnet. Die Systemtheorie als wissenschaftlicher Zweig hat ihre Wurzeln in der Soziologie und Politologie des 20. Jahrhunderts, erfährt aber zurzeit eine Renaissance.

 

«Methoden wie die Wertstromanalyse helfen dabei, Leerläufe, Wartezeiten und Sackgassen zu identifizieren, um den Fluss von Entscheidungen oder Prozessen zu optimieren», sagt Patrick Labud. Die Nachfrage nach solchen Analysen steigt unter anderem auch wegen der Verfügbarkeit neuer Werkzeuge, mit denen entsprechende Visualisierungen vorgenommen werden können.

 

«Wir wenden Wertstromanalysen oft bei Transformationsprojekten oder bei Software-Architekturen an und versuchen, nicht zielführende Elemente zwischen Ausgangszustand und Zielzustand durch den Prozess der Produktentwicklung im gesamten Unternehmen konsequent zu eliminieren», so Labud.

 

Die Methode hilft, Optimierungspotenzial um ein Entwicklungsteam herum zu identifizieren.

Digitale Technologien versprechen, die Arbeit und den Alltag von Menschen und Unternehmen zu verbessern. Doch sie können auch missbraucht werden: So fluten Falschinformationen und Hetze die sozialen Netzwerke oder Drohnen spionieren Nachbarn aus, anstatt ein Paket auszuliefern.

 

«Die Frage, ob und wie eine Technologie missbraucht werden kann, geht aufgrund der Begeisterung für das neue Feature in der Produkteentwicklung oft unter», sagt Patrick Labud. Um sich auch mit solchen Fragen auseinanderzusetzen, wurde das Framework Ethical OS entwickelt. Damit lassen sich Problemfelder und Risiken aufdecken, negative Folgen von Innovationen besser abschätzen und moralische Zwickmühlen verhindern.

 

«Ethical OS hilft Unternehmen, Verantwortung zu übernehmen und Folgeschäden vorauszusehen, damit sie die Entwicklung ihrer Produkte und Services in Zukunft nicht bereuen», so Labud weiter. Ethical OS beschäftigt sich aber nicht nur mit den negativen Auswirkungen, es kann ebenso den positiven Nutzen einer Technologie aufzeigen.

«Viele Unternehmen werden zu Softwareunternehmen und merken das gar nicht», ist Patrick Labud überzeugt und meint damit das Verschmelzen von Business- und IT-Strategie. Sprich: Die Technologie innerhalb des Unternehmens wird businessrelevant, während die eigentlichen Produkte zur Nebensache werden.

 

«Versicherungen sind heute IT-Unternehmen», sagt Labud, «und auch Autohersteller wie VW machen eine solche Transformation durch.» Diese Entwicklung wird mit der Bezeichnung Strategy Engineered umschrieben. Business und IT werden so zusammengeführt, dass sie nicht mehr als zwei getrennte Bereiche funktionieren.

 

Die Businessstrategie hatte zwar schon immer Einfluss auf die IT-Strategie und umgekehrt. Doch dass die Softwareentwicklung plötzlich zum Kerngeschäft werden kann, ist neu. Sind IT und Businessstrategie im Sinne von Strategy Engineered harmonisch ineinander verwoben, lassen sich Produkte oder Dienstleistungen konkurrenzfähig entwickeln und anbieten.

In der Kategorie Tools des Technica Radars wird Blazor als Aufwärtstrend aufgeführt. Die bereits 2018 eingeführte Lösung von Microsoft ist neben den JavaScript-basierten Frameworks (wie Angular oder React) zu einem beliebten Tool zur Darstellung von Web-Anwendungen geworden und dürfte weiterhin an Bedeutung gewinnen.

 

Speziell in Teams, die sich stark im .NET-Ökosystem bewegen und keine Erfahrung im JavaScript-Ökosystem haben, sei der Einsatz von Blazor eine valide Option, schliesst Labud.

Kreative Bildschöpfungen mit KI sind seit Dall-E 2 oder Stable Diffusion auch einem breiteren Publikum ein Begriff. Auch in der Softwareentwicklung gibt es solche Ansätze. Neben Microsoft (GitHub Copilot) und Amazon (CodeWhisperer) gibt es auch Produkte wie Tabnine oder Captain Stack, die eine AI-Pair-Programmer-Lösung anbieten.

 

Die Reaktionen der Community darauf waren sehr unterschiedlich. Softwareentwicklung mithilfe von KI kann eine Chance sein, alternativen und eventuell performanteren Code kennenzulernen und darauf aufzubauen. Auch bietet sie das Potenzial, nicht geschäftsrelevanten Code schneller zu schreiben.

 

Die Gefahr besteht allerdings, dass – basierend auf dem Trainingsset des Modells – Code mit Hacks generiert werden. KI-Tools sollten deshalb nicht ohne Engineering-Praktiken wie TDD eingesetzt werden.

 

Eine nächste Hürde für diese Technologie ist sicher der aktuell laufende Prozess gegen Microsoft, GitHub und OpenAI.

Die Mitglieder des CTO-Boards von bbv

Patrick Labud

Patrick Labud ist seit über zehn Jahren bei bbv tätig. Er studierte Informatik und hat sich auf Content- und Frontend-Systeme sowie den Bereich Usability, User und Customer Experience sowie Design Thinking spezialisiert. Heute ist er hauptsächlich als Berater und Speaker für menschenzentrierte digitale Produktentwicklung tätig. Er ist Gründungsmitglied des CTO-Boards, das es inzwischen seit fast sieben Jahren gibt und die Technologiestrategie von bbv definiert sowie den Technica Radar herausgibt.

Marco Ravicini

Marco Ravicini ist gelernter Automatiker und arbeitete nach seinem Studium der Computer Sciences einige Jahre als Software-Crafter. Auch er ist seit über zehn Jahren für bbv tätig. Als Software-Architekt ist er besonders gefragt, wenn es um die Entwicklung der Architektur von Systemen geht – dies vom Entwurf über die Ausgestaltung bis zur Kommunikation mit den Kunden. Er verfügt über einen MAS in Human Computer Interaction Design.

Axel Hohnberg

Axel Hohnberg ist Service Unit Manager und Mitglied des CTO Board bei bbv. Die neuesten Digitalisierungstrends stets im Auge, sorgt er dafür, dass die bbv-Mitarbeitenden mit dem richtigen Know-how exzellente IT-Lösungen entwickeln – und Kunden bei der Umsetzung ihrer digitalen Strategie optimal unterstützen.

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